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Seit 1974

Kämpfen für den Tanz

Regula A. Kern und Esther Sutter gründeten 1974 die erste ganz auf Zeitgenössischen Tanz ausgerichtete Schule in Basel und nannten sie „Danzschuel uff dr Lyss“. Zum 30. Geburtstag erschien in der „ProgrammZeitung“ eine Würdigung der Schule, die hier leicht gekürzt wiedergegeben wird.

«Entstanden ist die Schule eigentlich in New York, beim Chinesen», erinnert sich Regula A. Kern, «im Gespräch mit Esther Sutter, die mich für ein gemeinsames Studio nach Basel zurückholen wollte.» Bald darauf eröffneten sie ihre Schule für modernen und zeitgenössischen Tanz und stiessen damit auf grosses Echo bei Kindern und Erwachsenen. «Basel war damals ganz auf den klassischen Tanz ausgerichtet.»

Auch Esther Sutter hat ursprünglich eine klassische Ausbildung. «Ich habe noch zu den Schwänen gehört . . .»‚ sagt sie lachend. Nach einem Engagement am Theater Basel kam sie 1967 an die Deutsche Oper am Rhein in Düsseldorf, eines der ersten Häuser mit Mitbestimmungsrecht für alle Mitwirkenden. Diese Zeit habe ihr politisches Bewusstsein stark geprägt, erzählt Sutter. Auf einer dreimonatigen Tournee durch Südamerika lernte sie, «als ausführende Tänzerin zu funktionieren, unter allen Umständen» — und hörte mit dem klassischen Tanz auf. Stattdessen machte sie eine journalistische Ausbildung und beschäftigte sich tänzerisch mit dem, was sie interessierte: Neue Körperkonzepte, Tai ji Quan und interkultureller Dialog.

Mit der „Danzschuel uff dr Lyss“ verfolgen  Sutter und Kern seit 30 Jahren kontinuierlich ihr Anliegen, Laien zu unterrichten und gleichzeitig für zeitgenössischen Tanz zu sensibilisieren.

 
Kulturpolitik als Basis für den Tanz
«Eine freie Szene gab es in den Siebzigerjahren in Basel noch nicht», erinnert sich Kern, «und schon gar nicht die Möglichkeit, für Projektbeiträge beim Kanton anzufragen.» Als sie mit Schülerinnen eine Compagnie gründete, berappte sie alle Auslagen selbst. «Für Tanz war einfach kein Geld da. Deshalb habe ich mich entschieden, Kulturpolitik zu machen, statt zu choreografieren.»

Erst Ende der Achtzigerjahre kam Bewegung in die Stadt, etwa mit der Kulturwerkstatt Kaserne oder dem Kulturbüro, das den freien Kunstschaffenden mit Rat und Tat zur Seite stand. Dort bildete sich eine Arbeitsgruppe Tanz. Nachdem das Kulturbüro eingespart worden war, gründete Regula Kern 1992 zusammen mit acht anderen die IG Tanz. Diese kämpft nach wie vor für mehr Raum, Geld und Akzeptanz für den Tanz.

Seit 1991 besteht die Kommission Theater und Tanz BS/BL, deren Mitglied Esther Sutter war, bevor sie 1997 zur Pro Helvetia wechselte, wo sie seither als Stiftungsrätin der Abteilung Tanz fungiert.

Doch trotz aller Fortschritte ist der Tanz noch längst nicht gleichberechtigt mit anderen Kunstsparten. Viel Arbeit wartet weiterhin auf die Verbände, Kulturförderer, Veranstaltenden — und nicht zuletzt auf die Tanzschulen: Denn sie formen nicht nur die künftigen Tänzerinnen und Tänzer. Sie bilden auch ein Publikum und verstärken die Wahrnehmung der Kunstform Tanz in der Gesellschaft.

Felizitas Ammann,
Programm Zeitung Basel, 2004

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www.medienbuero.ch | letzte Änderung 11.06.10